Kalender

Mo Di Mi Do Fr Sa So
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Platform3 newsletter

Lageplan

Lageplan Platform3/Location map Platform3

Google Maps

Link zu Google Maps

Gefördert von der

Landeshauptstadt München

In Trägerschaft der
Wohnforum München gem. GmbH

PLATFORM3 2012 : ZU - SEHEN - EINE SUCHE NACH KÜNSTLERISCHEN STRATEGIEN ZUR EINBEZIEHUNG DES ZUSEHERS

01. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012

In sämtlichen Projekten des Jahres 2012 versucht PLATFORM3, die weitverbreitete These des passiven Zusehers aufzubrechen - nicht durch vorprogrammierte Partizipation, sondern durch unterschiedliche, künstlerische Strategien des Öffentlich-Machens, die bereits Teil der Genese eines Projektes sind. So ist das Publikum nicht mehr eine am Ende des künstlerischen Produktionsprozesses hinzutretende, unberechenbare Variabel, sondern integrativer Bestandteil jeder künstlerischen Initiative- ob Ausstellung, Performance, Vortragsreihe.

Im Theater existiert die “vierte” Wand, im Museum werden Werke durch Sicherheitsabsperrungen, Vitrinen und Wachpersonal vom Besucher getrennt. Strategien zur - räumlichen wie symbolischen - Überwindung der Barrieren zum Zuseher prägen das 20. und beginnende 21. Jahrhundert: Sowohl Künstler als auch institutionelle Vermittler und Kuratoren suchen aktiv die Begegnung mit dem Publikum, wenngleich diese auch nicht immer auf Augenhöhe und unter egalitären Voraussetzungen stattfindet.

Der Zuseher beziehungsweise das Publikum ist und bleibt die unberechenbare Variabel in jedem Kunstprojekt: Durch die Wahl bestimmter, künstlerischer Positionen, mittels der Namen beteiligter Kuratoren sowie anhand des Ausstellungskontexts gelingt es, die Wahrnehmung des Publikums zu einem gewissen Grad zu antizipieren. Unbeeinflussbar -und im Vorfeld unerreichbar - bleibt jedoch der Einzelne, der tatsächliche Ausstellungsbesucher im Angesicht des Kunstwerkes. Wie er diesem begegnet, mit welchen Mitteln er es erfasst, ist stets ein Experiment: Werke, so der Schriftsteller Alain Robbe-Grillet, können stets auch gegen die Intention des Autors gelesen werden. Dies trifft besonders auf jene Formen der Gegenwartskunst zu, die sich experimentellen, ästhetischen Formen verpflichten, und aus dem Genre-Prinzip ausbrechen.

Wäre es deshalb nicht interessant, das Publikum gleich von Anfang an ins Boot zu holen? Schon bei der Konzeption eines Projektes Öffentlichkeit zu erzeugen, Austausch mit jenen zu suchen, die später hinter der vierten Wand, hinter den Absperrungen als Besucher auftreten?

Die Bewegungsrichtung der Kunst während der Moderne ist -überraschenderweise- zunächst jedoch eine umgekehrte: Durch die zunehmende Professionalisierung der Künstler sowie durch die strukturelle Organisation der “Kunstwelt” (P. Bourdieu, A. Danto) als relativ hermetisches System wird der Zuseher nach und nach aus dem Produktionskontext verdrängt. Durch Strategien der Partizipation und relationellen Ästhetik (N. Bourriaud) kehrt er heute verstärkt wieder dorthin zurück.

Die "Rückkehr des Zusehers" ist jedoch nur eine Scheinbare: Der Zuseher, so Jacques Rancière, war niemals physisch oder intellektuell ‘abwesend’. Tatsächlich ist Zusehen kein strikt kontemplatives Moment. Wer auf einem Stuhl sitzt und eine künstlerische Darbietung verfolgt, so Jacques Rancière weiter, verhält sich nicht automatisch passiv. Vielleicht also muss der Zuseher garnicht durch emotional geladene Botschaften und offensiv formulierte Einladungen aus seiner scheinbaren Erstarrung befreit werden. Im Gegenteil: Sehen ist eine stets aktive, individuell geprägte Handlung zur Wahrnehmung und Analyse von Wirklichkeit. Aus der Gesamtheit seiner Eindrücke und der für ihn abrufbaren Assoziationen, Referenzen und Erfahrungen konstruiert der Betrachter seine allereigenste Wahrnehmungserfahrung. Die Beschränkung auf das An-sehen ist nicht der Verzicht auf Deutungsanalyse. Umgekehrt garantiert der Imperativ des Mit-machens nicht die aktive Auseinandersetzung des Zusehers mit dem Gesehenen.

Beteiligung kennt viele Formen, partizipative Kunstprojekte sind nur die Augenscheinlichste, heute Weitverbreitetste unter ihnen. In sämtlichen Projekten von PLATFORM3 im Jahr 2012 ist deshalb der Zuseher als Einzelner, und das Publikum als Gesamtöffentlichkeit der Ausgangspunkt einer künstlerischen Überlegung, nicht nur deren Ziel.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.